Ich habe Darmkrebs, was nun?

Was ist Darmkrebs? Was nun?

Darmkrebs ist ein bosartiger Tumor des Dickdarms und des Mastdarms, der in Deutschland sehr häufig auftritt (2010: 78.000 Patienten). Unbehandelt führt diese Erkrankung zum Tode. Meist entstehen starke Beschwerden wie Blutungen, Darmverschluss, Schmerzen. Wird Darmkrebs bei Auftreten solcher Symptome entdeckt, kann er oft nur noch sehr schlecht beherrscht werden. Hingegen können Darmkrebse sehr gut behandelt werden, wenn sie im Rahmen einer Vorsorge festgestellt werden.

 

 

Daher ist die beste Behandlung natürlich die Vorbeugung!

Die Wege und Möglichkeiten der Darmkrebsvorsorge haben wir im Kapitel der Darmkrebsvorsorge ausführlich geschildert. Insbesondere Angehörige von Menschen, die an Darmkrebs leiden, sollten sich vorbeugend den Darm endoskopieren lassen.

 

Etwas Wichtiges zur Behandlung des Darmkrebses ist zu sagen:

Es gibt keinen Grund den "Kopf in den Sand zu stecken" bzw. die Augen zu verschließen, denn in den letzten 10 Jahren sind deutliche Verbesserungen der Behandlungsergebnisse erzielt worden. Es werden auch schonende (Schlüssellochchirurgie) Operationsverfahren angeboten und, falls erforderlich, sind die Chemotherapien auch sehr gut verträglich geworden. Durch spezielle Behandlungsabfolgen kann der künstliche Darmausgang fast immer vermieden werden. Wenn aber der seltene Fall eintritt, dass ein Kunstafter (Kolostoma) angelegt werden muß, wäre es heute kein Problem mehr, ein normales Leben zu führen. Tauchen, Sport, Sexualität sind auch mit Stoma möglich. Spezielle Teams und Stomatherapueten stehen Ihnen zur Seite. Nicht selten können die Stomata nach einigen Monaten auch wieder zurückgelegt und verschlossen werden.

 

Was ist zu tun, wenn die Diagnose eines Darmkrebses gestellt wurde?

Ihr Hausarzt und Ihr Gastroenterologe werden die weitere Behandlung mit dem örtlichen Darmkrebszentrum für Sie organisieren. Lassen Sie bitte zunächst das Ganze einfach nur geschehen und warten Sie die erforderlichen Untersuchungen in Ruhe ab. Dann werden sämtliche betreuenden Ärzte zusammenfinden und Ihren besonderen Fall ganz individuell begutachten. Es wird zunächst eine Therapieempfehlung im Tumorzentrum diskutiert. Diese Behandlungswege werden anschließend durch die behandelnde Ärzte mit Ihnen und Ihrer Familie diskutiert und abgewägt.

Anschließend wird meist operiert, manchmal auch vor der Operation bestrahlt oder mit Chemotherapie vorbehandelt, um die Operationsergebnisse zu optimieren. Später wird meist ambulant weiter behandelt. Anschließend folgt die Phase der sogenannten Tumornachsorge nach standardisierten Leitlinien.

 

 

Wie wird meine Behandlung aussehen?

Ausbreitungsdiagnostik und Vorgehen

 

Wird ein Dickdarmkrebs festgestellt, sollte sollte vor Planung einer Behandlung eine sogenannte die "Staginguntersuchung" erfolgen, d.h. die Ausbreitung und Lokalisation des Tumors werden bestimmt.

Dazu gehören Blutuntersuchungen mit Tumormarkern, EKG, Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes, Röntgenuntersuchung der Brustorgane, ggf. Computertomographie des Bauchraumes und der Brusthöhle. 

Auf diese Weise können Chirurgen und Krebsärzte (Internisten, Onkologen) das Ausbreitungstadium der Erkrankung erkennen. 

In einigen Fällen eines Mastdarmkrebses kann zur Verbesserung des Gesamtbehandlungsergebnisses eine Strahlentherapie vor der Operation notwendig sein (sogenannte präoperative, neoadjuvante Radiatio).

In bestimmten Fällen rät das behandelnde Team (Internisten, Onkologen, Gastroenterologe, Chirurg, Pathologie) nach dem operativen Eingriff zur Absicherung des Erfolges zu einer Chemotherapie (sogenannte adjuvante Chemotherapie). Sie beginnt in der Regel etwa 6 Wochen nach der Operation.

Bei einem Dickdarmkrebs, der nicht mehr chirurgisch zu behandeln ist, z.B. weil sich Absiedlungen in anderen Organen (Metastasen) gebildet haben, kann eine Chemotherapie (palliative Chemotherapie) die Krankheit zurückdrängen oder aufhalten. Evtl. können danach die Metastasen doch operiert und die Krankeit besiegt werden. Die Behandlung erfolgt nach den Richtlinien der Fachgesellschaften und in Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten. In jedem Fall sollte der Hausarzt in die Behandlung mit einbezogen werden.

 

 

Erblicher Darmkrebs

Erbliche Formen des Darmkrebses

 

In ca. bis zu 20% der Fälle liegt eine erbliche Form des Darmkrebses vor



Verdachtsmomente für erblichen Darmkrebs sind:
* Auftreten vor dem 50. Lebensjahr
* Weitere HNPCC-assoziierte Tumoren (egal wann)
* Mindestens 3 Verwandte mit HNPCC-assoziierten Krebsen
* Zahlreiche Darmpolypen bei einem Patienten
* Kolorektales Adenom (Darmpolyp) vor dem 40. Lebensjahr



Bei Verdacht auf familiären Darmkrebs sind folgende Maßnahmen sinnvoll:
* Bestätigung der Verdachtsdiagnose
* Humangenetische Beratung
* Untersuchungen am Tumorgewebe
* Molekulargenetische Diagnostik
* Empfehlung zu Untersuchungen zur Früherkennung
* Ggf. Testung weiterer Angehöriger


Andere erbliche Formen des kolorektalen Karzinoms sind:
* Hereditäres kolorektales Karzinom ohne Polypsis (HNPCC / Lynch-Syndrom)
* Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP)
* MUTYH-assoziierte Polyposis
* Familiäre juvenile Polyposis
* Peutz-Jeghers-Syndrom
* Cowden-Syndrom

 

 

 

 

 

Was ist ein HNPCC-Syndrom?

HNPCC: die englische Abkürzung bedeutet

 

Hereditäres Nicht Polypöses Colon Carcinom

Der sogenannte erbliche Darmkrebs ohne gleichzeitiges Auftreten vieler weiterer Darmpolypen stellt unter den erblichen Dickdarmkrebsen ist häufigste Variante dar. 2 -3% aller kolorektalen Karzinome sind auf ein HNPCC zurückzuführen. Die Häufigkeit beträgt 1:500.

Typisch für das HNPCC ist:

- Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr (Alter: im Schnitt  ca. 44 Jahre)
- Häufiges Auftreten eines rechtsseitigen Dickdarmkrebses
- Weitere Tumore außerhalb des Verdauungstraktes:

     Gebährmutter/Endometriumkarzinom 60%
     Magenkarzinom 19%
     Eierstock/Ovarialkarzinom 12%
     Nierenbecken (Urothel)-karzinom 5%
     Gallengangkarzinom 7%
     Dünndarmkarzinome, Hirntumoren,  Bauchspeicheldrüsenkrebs,  
     Talgdrüsentumoren  der Haut  (Muir-Torre-Syndrom)

Für die Diagnosestellung gelten die folgenden Kriterien:

Amsterdamkriterien:

* mindestens 3 Verwandte mit Dickdarmkrebs,
* Endometrium-Ca, Dünndarm-Ca oder Urothelial-Ca,
* Mindestens ein erstgradig verwandter Mensch betroffen
* wenigstens 2 aufeinanderfolgende Generationen betroffen
* mindestens 1 Patient hat Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr

Andere Institutionen möchten gern die Bethesda-Kriterien verwenden, die im Prinzip gut vergleichbar sind.

Im Rahmen der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) sind folgende Untersuchungen hilfreich:

Nachweis der Mikrosatelliteninstabilität (MSI) im Tumorgewebe und Nachweis von Antiikörpern gegen MSH2, MLH1, MSH6 und PMS2.

Bei Patienten mit HNPCC oder Risikopatienten sind folgende Vorsorgeuntersuchungen angezeigt:

Jährlich ab 25. Lebensjahr:


* körperliche Untersuchung,
* Sonographie des Abdomens,
* komplette Koloskopie,
* transvaginale Sonographie,
* ab dem 35. Lebensjahr zusätzlich Gastroskopie

Links zu Darmkrebs

Ratgeber und Links zum Thema

Darmkrebs, Therapie, Vorbeugung, Versorgung:

 

http://www.bvgd-online.de/themen/newsansicht/?tx_ttnews

[tt_news]=133&cHash=22ac0f5738a7e776850e490341d1e03f

Statistik (Quelle Globocan 2014) : Krebshäufigkeitein in Deutschland 2012.

 

www.lebensblicke.de

Stiftung Lebensblicke zur Früherkennung und Bekämpfung des Darmkrebses in Deutschland mit den Betätigungsfeldern: Aufklärung, Forschung, Selbsthilfe, Information und Unterstützung Betroffener. Hinschauen hilft: Darmkrebs ist vermeidbar!

 

www.ich-geh-da-hin.de

Kampagne des BNG gegen den Darmkrebs: wichtige Informationen zur Vorsorge und zu aktuellen Veranstaltungen.

 

http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/index.php

Sehr guter Informationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg:

 

www.Ratgeber-Darmkrebs.de

Hier erhalten Sie geprüftes Fachwissen rund um das Thema Darmkrebs. Spezielle Therapeuten stehen Ihnen zur Seite und erläutern Ihre Fragen.

Kostenloser Informationsdienst.



www.darmkrebs.de

Website der Felix-Burda-Stiftung gegen den Darmkrebs und für Darmkrebsvorsorge.


www.idzb.de

Integratives Darmzentrum Bonn/Rhein-Sieg
Das Integrative Darmzentrum Bonn / Rhein-Sieg ist eine Fachsektorübergreifende Vernetzung von medizinischen Kliniken und Fachpraxen, in denen kooperativ und flächendeckend in der Region Bonn / Rhein-Sieg Patienten mit Darmkrebs qualitätsgesichert versorgt werden. Die Homepage gibt umfangreiche Informationen zur Versorgung und zum Thema Darmkrebs. Das Zentrum wird als neuartiges Pilot-Projekt von der Deutschen Krebshilfe unterstützt.


www.ilco.de

Die Deutsche Vereinigung der Stomaträger (Menschen mit künstlichem Darmausgang oder künstlicher Harnableitung). Menschen mit Darmkrebs, Angehörige, fachlich Interessierte und für die breite Öffentlichkeit.


www.krebshilfe.de

Deutsche Krebshilfe (Bonn)

www.familienhilfe-polyposis.de/home

Familienhilfe Polyposis coli (Dickdarmerkrankungen) e.V.
Bundesverband
Florstädter Str. 20 a,
D-60385 Frankfurt/Main
Telefon: 069 / 459325
Fax: 069 / 459325


 

 

 

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