Aufbau und Funktion

Was sind Gallenwege und Gallenblase?



Die Gallenflüssigkeit wird rund um die Uhr von den Leberzellen gebildet, sammelt sich zwischen den Leberzellen (Sinus) und fließ ab in die kleinen Gallegänge, die wiederum zu grösseren Gängen zusammenstoßen.  Ausserhalb der Leber vereinigen sich zwei abführende Lebergallengänge zum  Hauptlebergallengang . Von hier gelangt die Galle und wird dort zunächst konzentriert und eingedickt. Von dort aus gibt die Gallenblase bedarfsweise das Sekret über den Gallenblasengang und in den gemeinsamen Hauptgallengang.

Der Hauptgallengang vereinigt sich mit dem Bauchspeicheldrüsengang und mündet gemeinsam in den Zwölffingerdarm. An der Mündungsstelle befindet sich ein Schliessmuskel (Papilla major). Die Gallenblase, birnenförmig, ist etwa 8 cm lang und 3 cm breit und liegt größtenteils unter dem rechten Leberlappen. Sie ist ein Reservoir für die täglich in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit.



Welche Funktion haben die Gallenwege und die Gallenblase?

Die Galle wird ständig in der Leber gebildet und dient der Verdauung von fetthaltigen Nahrungsbestandteilen. Der Mensch produziert täglich 250 bis1000 Milliliter Galle. Die wichstigten Bestandteile der Galle sind: Wasser, Gallensalze, Cholesterin , Phospholipide. Während der Nüchternphase wird die Galle in der Gallenblase gespeichert. Bei der Nahrungsaufnahme zieht sich die Gallenblase zusammen. Die Gallenflüssigkeit gelangt somit über den Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm. Die Gallensäuren werden später im untern Dünndarm (terminalen Ileum) zu 80 bis 90% rückresorbiert und gelangen über den Blutkreislauf (Pfortadersystem) wieder zurück in die Leber (enterohepatischer Kreislauf).

 

 

 

Krankheiten im Überblick

Überblick

Krankheiten der Gallenblase und der Gallenwege

Krankheiten der Gallenblase

1. Gallenblasensteine
2. Tumore der Gallenblase


Krankheiten der Gallenwege

3. Gallengangsteine
4. Infektionen der Gallengänge
5. Primäre Sklerosierende Cholangitis
6. Tumore der Gallengänge


Gallensteine (Cholelithiasis)

Gallen(gang)steine


Gallensteine sind verbreitet. Jenseits der 40 steigt die Wahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter, dass aus der Galle Steine kristallisieren. Gut Dreiviertel der Betroffenen bemerken davon nichts, sie benötigen auch keine Behandlung.

Ein Gallensteinleiden kündigt sich durch heftige, krampfartige Schmerzen im Oberbauch an. Gallen- koliken entstehen, wenn Steine den Abfluss der Galle behindern. Fieber und Schüttelfrost weisen auf eine begleitende Entzündung der Gallenwege hin.


Krankheitsbild und Behandlung

Schmerzattacken im Oberbauch sind in jedem Fall ein Grund, den Arzt aufzusuchen. Der Gastroenterologe kann aus der Beschreibung der Beschwerden, dem Abfragen von Risiken und der körperlichen Untersuchung schnell zu einer vorläufigen Einschätzung des Problems kommen. Neben der Blutuntersuchung liefert vor allem eine Ultraschall-Untersuchung in der Regel ein eindeutiges Ergebnis.

Wenn die Gallensteine im abführenden Gallengang liegen, kann für die Diagnose eine endoskopische Gallengangdarstellung (ERCP) erforderlich sein. Dabei wird ein Endoskop über den Mund durch Speiseröhre und Magen bis zu dem Darmabschnitt vorgeschoben, an dem der Gallengang in den Dünndarm mündet. Mit Hilfe eines Kontrastmittels werden die Gallen- gänge auf einem Röntgenmonitor sichtbar. Kleinere Steine können während dieser Untersuchung gleich mit endoskopischen Instrumenten entfernt werden.

Eine Gallenkolik wird zunächst mit Schmerzmitteln und krampflösenden Mitteln behandelt, eine Entzündung der Gallenwege mit Antibiotika. Die eigentliche Therapie besteht in der Entfernung der Gallensteine. Liegen diese in der Gallenblase, dann wird in der Regel die Gallenblase mit den Steinen laparoskopisch entfernt, also mit einem minimal-invasiven Ver- fahren über einen kleinen Schnitt in der Bauchdecke.



Was sind Gallenblasensteine?

Gallensteine bestehen hauptsächlich aus einer Kombination von Cholesterin und Gallensäure. Ihre Grösse variiert von wenigen Millimetern bis hin zu einigen Zentimetern. Sie entstehen vor allem in der Gallenblase. Vom Gallensteinleiden wird gesprochen, wenn Gallensteine in der Gallenblase (oder in den Gallenwegen) zu Beschwerden führen. Gallensteine finden sich bei 10 bis 15% der Bevölkerung. Die Häufigkeit von Gallensteinen nimmt mit dem Alter zu. Eine grosse Anzahl von Faktoren können die Entstehung von Gallensteinen begünstigen: Übergewicht, langes extremes Fasten, fettreiche Ernährung, ein hoher Cholesterinspiegel, die Blutzuckerkrankheit, Schwangerschaften, Infektionen der Gallenwege, gewisse Medikamente und genetische Faktoren.


Welche Symptome und Bescherden


treten bei Gallenblasensteinen auf?
60 bis 80% der Gallensteinträger sind zeitlebens ohne Beschwerden! Die Gallenblasensteinerkrankung äussert sich in anfallartigen Dauerschmerzen, die rechts unterhalb des Rippenbogens zu spüren sind (Gallenkolik). Die Schmerzen können in die rechte Schulter ausstrahlen und Schweissausbrüche, Übelkeit oder sogar Erbrechen verursachen. Die Gallenkolik tritt charakteristischerweise nach einer üppigen, fettreichen Mahlzeit auf.


Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?


a) Gallenkolik
b) Gallenblasenentzündung
c) Gelbsucht (verursacht durch Obstruktion des Hauptgallengangs durch grosse Gallensteine im Ausführgang der Gallenblase).
Der Abgang von Gallenblasensteinen in den Hauptgallengang kann zu Gallenkoliken, Verschluss der abführenden Gallenwege mit Gelbsucht und bei Verschluss des Bauchspeicheldrüsengangs in der Nähe der Vater'schen Papille zur Bauchspeicheldrüsenentzündung führen.

Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei Gallenblasensteinen gemacht werden?
Körperliche Untersuchung. Erhebung der Krankengeschichte (Befragen des Patienten) Blutentnahme (Entzündungswerte, Leberwerte, Gallenfarbstoffe). Konventionelle Röntgenuntersuchung und Ultraschall des Abdomens.


Therapie / Behandlungsmethoden


Die akute Gallenblasenkolik kann konservativ, d.h. ohne unmittelbare Operation behandelt werden. Nach Abklingen der Beschwerden sollte jedoch möglichst umgehend die Gallenblase operativ entfernt werden, um die noch vorhandenen Gallenblasensteine zu entfernen, einen Abgang dieser Steine in den Hauptgallengang bzw. die erneute Bildung von Gallenblasensteinen zu verhindern. Befriedigende alternative Methoden zur Chirurgie stehen nicht zur Verfügung. Es ist zwar möglich, gewisse Gallenblasensteine mit Stosswellen zu zertrümmern oder sie mit chemischen Substanzen aufzulösen. Mit diesen Methoden gelingt es jedoch nicht, die Neubildung von Gallenblasensteinen zu verhindern. Ohne Entfernung der Gallenblase ist das Gallensteinleiden in der Regel nicht geheilt.

Operative Gallenblasenentfernung / Cholezystektomie


Die operative Gallenblasenentfernung kann heute in der Regel laparoskopisch (d.h. mittels Bauchspiegelung) durchgeführt werden. Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Über 4 kleine Hautschnitte (1 bis 2 cm) werden die Videokamera und die chirurgischen Instrumente in den Bauchraum eingebracht. Der Bauchraum wird mit einem ungefährlichen Gas (Kohlendioxyd) aufgeblasen. Der Operateur verfolgt seine operativen Schritte am Fernsehmonitor. In etwa 90% der Fälle kann die Gallenblase auf diese schonende Weise entfernt werden. Selten jedoch muss auf die konventionelle offene Technik zurückgegriffen werden. Dies kann in folgenden Situationen der Fall sein: technische Probleme, ungenügende Einsicht ins Operationsgebiet (z.B. bei einer grossen Leber), Blutung, anatomische Anomalien, starke Entzündung der Gallenblase. Bei der offenen Entfernung der Gallenblase wird ein etwa 12 cm langer Schnitt entlang des rechten Rippenbogenrandes durchgeführt. Die Gallenblasenentfernung ist eine sichere Operation mit einer sehr niedrigen Komplikationsrate. Selten kommt es zu Wundheilungsstörungen. Ebenfalls selten kann es postoperativ zu einer Nachblutung oder zu einem Galleleck aus dem Operationsgebiet (Gallenblasenbett) kommen. Eine ernste, jedoch glücklicherweise seltene Komplikation, stellt die Verletzung der Hauptgallenwege dar. Eine solche Verletzung kann entweder zu einem Galleleck oder zur Ausbildung eines Engnisses (Stenose) im Bereich der Gallenwege führen. Letztgenannte Komplikationen müssen in der Regel chirurgisch korrigiert werden. Die Hospitalisationsdauer beträgt bei der laparoskopischen Cholezystektomie zirka 3 Tage, bei der offenen Cholezystektomie zirka 7 Tage.

Nachsorge

Eine Nachsorge ist nur bei Auftreten von erneuten Beschwerden notwendig.

 

 

    Gallengangsteine


    Was sind Gallengangsteine?


    Gallengangsteine werden fast ausschliesslich in der Gallenblase gebildet. Eine Gallensteinbildung in den Gallenwegen ist selten. Sie tritt insbesondere bei Abflussstörungen der Galle, bei Infektionen der Gallenwege oder beim Vorhandensein von fremdkörperreichen Gallenwegen auf.

    Welche Symptome und Beschwerden treten bei Gallengangsteinen auf?
    Kolikartige rechtsseitige Oberbauchschmerzen Gelbsucht, helle Stühle, Dunkelfärbung des Urins.

    Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?


    Die Gallensteine können einen vollständigen Verschluss der Gallenwege verursachen. Dies führt zu Gallekoliken, zu Gelbsucht und kann zu Entzündungen der Gallenwege (Cholangitis : Fieber, Schüttelfrost) führen. Der Hauptgallengang und der Bauchspeicheldrüsengang vereinigen sich zu einem gemeinsamen kurzen Gang, welcher bei der Papilla vateri in den Zwölffingerdarm mündet. Gallensteine, welche im Bereich der Papilla vateri steckenbleiben, blockieren nicht nur den Abfluss der Gallenflüssigkeit (Ikterus), sondern auch den Abfluss der Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit. Dies kann zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung führen (Pankreatitis). Eine Pankreatitis stellt eine schwere, in manchen Fällen sogar lebensbedrohnliche, Erkrankung dar. Eine chronische (d.h. über Jahre andauernde) Stauung und/oder Entzündung der kleinen Gallengänge innerhalb der Leber kann zu einer Schädigung der Leberzellen führen. Das normale Lebergewebe geht zugrunde und wird durch narbiges Bindegewebe ersetzt (biliäre Zirrhose). Weitere mögliche Komplikationen: Durchbruch der Gallengangswand (Perforation), Eiteransammlung im Lebergewebe (Leberabszess).

    Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei Gallengangsteinen gemacht werden?


    Körperliche Untersuchung:
    - Erhebung der Krankengeschichte (Befragen des Patienten)
    - Blutentnahme (Entzündungswerte, Leberwerte, Gallenfarbstoffe)
    - Ultraschall (nur etwa die Hälfte aller Gallensteine sind im Ultraschall nachweisbar)
    - ERCP: Die ERCP ist die wichtigste Methode zur Diagnosestellung und zur gleichzeitigen Therapie.
    - MRCP: Gallengangsteine können in fast 100% und Gallengangsverengungen in 90% der Fälle diagnostiziert werden. Eine direkte Therapiemöglichkeit besteht jedoch nicht.
    - PTC: alternative Methode wenn die ERCP nicht möglich ist.
    - Computertomographie (CT): Die CT Untersuchung ist wichtig zum Ausschluss eines Tumorleidens und zur Beurteilung einer allfälligen durch Gallensteine verursachten Bauchspeicheldrüsenentzündung.

    Therapie / Behandlungsmethoden


    ERCP: Die ERCP erlaubt nicht nur eine sichere Diagnosestellung sondern ermöglicht eine gleichzeitige Therapie, d.h. endoskopische Steinentfernung. Häufig muss die Mündungsstelle des Hauptgallengangs (Papilla vateri) in den Zwölffingerdarm instrumentell erweitert werden (Papillotomie). Grosse Gallengangsteine können zusätzlich mechanisch zertrümmert werden. In Fällen, bei denen dies technisch nicht möglich ist, kann eine Steinzertrümmerung mit Hilfe eines Lasers erreicht werden, mit Antibiotika und Gallenwegentlastung durch Drainage (Ablaufkatheter) bei Entzündungen (Cholangitis).

    Ein Patient mit Gallengangssteinen wird zuerst endoskopisch mittels ERCP (Papillotomie, Steinentfernung) durch die Gastroenterologen behandelt. Nur in sehr seltenen Fällen müssen Gallengangssteine durch den Chirurgen entfernt werden. Nach Abklingen der akuten Erkrankung sollte jedoch in allen Fällen eine operative Entfernung der Gallenblase erfolgen. Die Gallenblase, als Ort der Gallensteinbildung, muss entfernt werden. Das kann schonend unter Anwendung der laparoskopischen Operationstechnik (Bauchspiegelung) erfolgen.

    Tumore der Gallenblase


    Was versteht man unter Tumoren der Gallenblase?


    Gutartige Tumoren der Gallenblase sind selten. Es kann sich dabei um Polypen, Adenome, Papillome , Fibrome oder Leiomyome handeln. Die bösartige Gallenblasentumore (Gallenblasenkarzinom) stehen an der 5. Stelle in der Häufigkeit der Tumoren im Magendarmtrakt und machen 3% aller bösartigen Geschwülste aus. Frauen sind häufiger betroffen.

    Welche Symptome und Beschwerden treten bei Tumoren der Gallenblase auf?
    Gallenblasentumore verursachen im Frühstadium selten Beschwerden. Häufig wird die Diagnose zufällig gestellt, z.B. Ultraschalluntersuchung aus anderem Grunde oder nach einer operativen Gallenblasenentfernung bei beschwerdeverursachendem Gallensteinleiden. Gallenblasentumore, welche Beschwerden verursachen (Oberbauchschmerzen, Gewichtsabnahme, Gelbsucht, Durchfall) sind leider häufig bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.


    Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?

    Gutartige Tumore (Polypen) können mit den Jahren entarten und sich in bösartige Tumore umwandeln. Bösartige Tumore können Tochtergeschwülste (Metastasen ) bilden. Gallenblasentumore können zu einer Verlegung der Gallenwege und zur Ausbildung einer Gelbsucht führen.

    Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei Tumoren der Gallenblase gemacht werden?
    Körperliche Untersuchung Erhebung der Krankengeschichte (Befragen des Patienten) Blutentnahme (Entzündungswerte, Leberwerte, Gallenfarbstoffe) Ultraschall (Sonographie) Computertomographie (CT) Beurteilung der Tumorausdehnung und Ausschluss von Metastasen.


    Therapie / Behandlungsmethoden


    Gutartige Gallenblasentumore mit einem Durchmesser von weniger als 1 cm werden nicht chirurgisch behandelt. Es ist jedoch eine regelmässige (z.B. alle 6 Monate) stattfindende Ultraschalluntersuchung durchzuführen Jeder Gallenblasentumor grösser als 1 cm oder mit deutlichem Grössenwachstum muss operativ angegangen werden. Die Chirurgie stellt die einzige Hoffnung auf Heilung dieser sehr aggressiven Tumorart dar. Die operative Therapie besteht in der Entfernung der Gallenblase, des Gallenblasenbettes (Leberresektion) und des Lymphgewebes. Bei fortgeschrittenen Tumoren ist häufig eine vollständige chirurgische Entfernung des Tumors nicht mehr möglich. In diesen Fällen kann eine Teilresektion des Tumors durchgeführt werden. Insbesondere ist es möglich eine chirurgische Behandlung der Gelbsucht durchzuführen bzw. dem Entstehen einer Gelbsucht mittels einer Operation vorzubeugen. Dabei wird eine Verbindung zwischen einem Hauptgallengang und einer Dünndarmschlinge hergestellt und damit der ungehinderte Abfluss der Gallenfüssigkeit sichergestellt. Patienten mit einem fortgeschrittenen Gallenblasentumor, die aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes (hohes Alter, schwere Herz- oder Lungenerkrankungen) nicht operiert werden können, können alternativ beim Auftreten einer Gelbsucht endoskopisch behandelt werden. Dabei wird endoskopisch (ERCP) ein kleines Röhrchen (Endoprothese, Stent) in den verschlossenen Hauptgallengang eingeführt. Der Abfluss der Gallenflüssigkeit kann auf diese Weise für einen längeren Zeitraum gesichert werden.


    Nachsorge und Prognose


    Das Gallenblasenkarzinom kann nur im Frühstadium geheilt werden (Chirurgie). Bei fortgeschrittenen Gallenblasenkarzinomen ist die Lebenserwartung gering.

    Infektionen der Gallengänge

     

    Was versteht man unter "Infektionen der Gallengänge"?


    Schwere Infektionen der Gallengänge können lebensbedrohlich sein. Die meisten Entzündungen der Gallenwege werden durch Gallengangssteine (60 bis 70%) oder durch Engnisse in den Gallengängen verursacht oder treten als Folge von endoskopischen Eingriffen (ERCP) auf. Selten sind das Caroli Syndrom (vererbte Erkrankung, Erweiterung der Gallenwege in der Leber), Gallengangstumore, Parasiten und Infektionen der Bauchspeicheldrüse. Voraussetzung für die Entstehung der Infektion ist eine Abflussbehinderung der Galle mit Erhöhung des Druckes im Gallengangsystem und eine Keimbesiedelung.

    Welche Symptome und Beschwerden treten bei Infektionen der Gallengänge auf?

    Schmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Gelbsucht (Ikterus)

    Welche Komplikationen und Gefahren gibt es dabei?

    Blutvergiftung (Sepsis)


    Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei Infektionen der Gallengänge gemacht werden?

    Körperliche Untersuchung:
    - Erhebung der Krankengeschichte (Befragen des Patienten)
    - Blutentnahme (Entzündungswerte, Leberwerte, Gallenfarbstoffe)
    - Ultraschall (Sonographie)
    - eventuell Computertomogramm (CT)
    - ERCP



    Therapie / Behandlungsmethoden


    Bettruhe, Antibiotika, Schmerzmittel, ERCP: endoskopisch Gallengangsentlastung und Massnahmen zur Steinentfernung.

     

    Prognose

    Unbehandelte Cholangitis hat eine hohe Sterblichkeit.

    Rheuma der Gallengänge: PSC

    Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)

     

    Was ist eine PSC?

    Die PSC gehört zu den Autoimmunerkrankungen der Leber, genauer gesagt liegt hier eine chronisch entzündliche Erkrankung der großen und kleinen Gallenwegen vor. Die Leberzelle selbst ist primär nicht erkrankt und wird erst sekunär im Spätverlauf geschädigt.  Im Rahmen der Erkrankung kommt es zu einer zunehmenden Einschnürung der Gallenwege durch wachsendes Bindegewebe (Narbenstränge).  Im unbehandelten Endstadium kann ein vollständiger Leberumbau und Vernarbung resultieren (Leberzirrhose). Die Ursache ist weiterhin unbekannt.

     

    Wer ist betroffen?


    Vor allem Männer im mittleren Alter sind betroffen. Eine gehäufte Vergesellschaftung mit chronischen entzündlichen Darmerkrankungen (v.a. Colitis ulcerosa) ist bekannt.


    Wie ist der Verlauf?


    Charakteristisch ist ein schubartiger Verlauf der Erkrankung, bei der sich Phasen hoher Aktivität der Erkrankung mit Phasen niedriger Aktivität abwechseln. Hierbei können sowohl die großen (extrahepatischen) Gallenwege als auch die kleinen (intrahepatischen) Gallenwege betroffen sein. Im Endstadium kann ein vollständiger Leberumbau vorliegen, die Vernarbungen führen zur Narbenleber (Leberzirrhose)

     

    Welche Beschwerden können vorliegen?


    Die Symptome beinhalten häufig Müdigkeit und Abgeschlagenheit, wechselnde Gelenkschmerzen, unspezifische Bauchbeschwerden, oft ein quälender Juckreiz und Erhöhung der Leber- und Gallenwerte. Hinzu kommt in machen Fällen eine Gelbfärbung der Augen, später auch der Haut, die durch einen schlechten Galleabfluss aufgrund der erkrankten Gallengänge verursacht wird. In seltenen Fällen kann es zu Fieberschieben bei eitrigen Gallengangsentzündungen kommen.

    Welche Komplikationen könnte es geben?

    Der Aufstau von einzelnen Gallengängen führt zunächst zu erhöhten Laborwerten, später zu Juckreiz und noch später zu einem starken Gallenstau mit Gelbfärbung der Augen und der Haut (Ikterus).

    Fieberschübe können als Ausdruck von wiederkehrenden Entzündungen und bakterieller Infektionen der Gallenwege (Cholangitis) entstehen. Diese müssen ggf. stationär und antibiotisch behandelt werden. Bei langjährigem Krankheitsverlauf besteht die Gefahr der Lebervernarbung (Leberzirrhose). Es besteht ein erhöhtes Risiko zur Ausbildung eines bösartigen Tumors der Gallenwege (Cholangiokarzinom). Männer mit bekannter Colitis ulzerosa haben darüber hinaus auch noch ein 15-fach erhöhtes Risiko einen Dickdarmkrebs zu entwickeln, wenn gleichzeitig eine PSC vorliegt.

    Welche Untersuchungen sind gefordert?


     -Körperliche Untersuchung
    - Erhebung der Krankengeschichte (Befragen des Patienten)
    - Blutuntersuchungen: Leberwerte, Bilirubin, Entzündungswerte, AP, gGT,
      GOT, GPT, ggf. ANCA; ggf. AFP/CA 19-9.
    - Diagnostisch entscheidend ist die ERCP (Endooskopische und radiologische
      Darstellung der Gallenwege) in einem speziellen Zentrum.
    - Gewebeentnahme der Leber (Leberbiopsie) und der Gallenwege
    - eventuell Cholangioskopie (Spiegelung der Gallenwege) und intraduktaler
      Ultraschall (Miniultraschallsonde in den Gallenwegen: sehr genau aber es
      besteht ein Infektionsrisiko)
    - evtl. MRCP (Kernspin der Gallenwege; nicht so treffsicher wie Endoskopie aber
      ohne Infektionsrisiko)

    Welche Behandlung steht zur Verfügung?


    Es handelt sich um eine chronische Krankheit, eine Heilung ist nicht möglich. Eine medikamentöse Behandlung kann mit hochdosierter Ursodeoxycholsäure durchgeführt werden. Diese verbessert den Galleabfluss in den durch die Erkrankung veränderten Gallengängen.


    Mittels Ballonaufdehnungen und Einlage von Plastikröhrchen im Rahmen einer ERCP können schwere Gallenwegsverengungen behandelt werden. Patienten mit einer langjährigen PSC entwickeln sonst evtl. eine sekundäre Leberzirrhose mit den entsprechenden Komplikationen (Ikterus, Cholangitis) . Zudem besteht die Gefahr der Entartung (Entwicklung eines bösartigen Tumors).


    Welche Kontrolluntersuchungen sind erforderlich?


    Patienten mit einer PSC müssen sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen (beim Hausarzt und einem Leberspezialisten). Aufgrund der Leberzirrhose und des Entartungsrisikos muss nicht so selten die Indikation zur Lebertransplantation gestellt werden.

    Tumore der Gallengänge

    Tumoren der Gallenweg


    Was sind Tumoren der Gallenwege?

    Bösartige Tumoren der Gallenwege (Cholangiokarzinom) sind selten. Sowohl die Hauptgallengänge als auch die kleineren Gallengänge innerhalb der Leber können betroffen sein. Die Erkrankung tritt gehäuft bei Männern (6. und 7. Lebensdekade) auf. Es findet sich ein gehäuftes Vorkommen bei Patienten mit einer primären sklerosierenden Cholangitis

    Welche Symptome und Beschwerden treten bei Tumoren der Gallenwege auf?
    Gelbsucht, Appetitlosigkeit, Oberbauchschmerzen, Körpergewichtsverlust.


    Welche Komplikationen und Gefahren
    gibt es dabei?
    Streuung und Bildung von Tochterzellen (Metastasen). Entlang der Gallenwege, das Lebergewebe infiltrierend.

    Welche Abklärungen und Voruntersuchungen müssen bei Tumoren der Gallenwege gemacht werden?
    Die Methoden der Wahl sind die ERCP und Magnetresonanztomographie (MRCP). Die ERCP erlaubt eine präzise Bestimmung der Tumorlokalisation und bietet die Möglichkeit der Gewebsprobeentnahme, welche die Diagnose in der Regel bestätigt. Die Endosonographie, und die Computertomographie CT stellen weitere sinnvolle Untersuchungsmethoden dar.

    Therapie / Behandlungsmethoden


    Die Chirurgie stellt die einzige Möglichkeit zur Heilung dieser aggressiven Tumorart dar. Die Operationstechnik ist abhängig von der Lokalisation des Tumors. Neben der Resektion der Gallenwege selbst ist häufig auch eine grössere Leberresektion bzw. Resektion der Bauchspeicheldrüse und des Zwölffingerdarms durchzuführen. Häufig ist eine kurative Resektion (d.h. vollständige Entfernung) des Tumors nicht möglich. In diesen Fällen wird versucht operativ einen gesicherten Abfluss der Gallenflüssigkeit zu erreichen. Dies ist notwendig um die Gelbsucht zu behandeln, bzw. um eine drohende Gelbsucht abzuwenden. Alternativ kann bei nicht operabeln Patienten (hohes Alter, schwere Herz- oder Lungenerkrankungen) eine endoskopische Entlastung der Gallenwege (ERCP) erreicht werde.

    Nachsorge und Prognose


    Bei fortgeschrittenen Gallenwegstumoren ist die Prognose sehr ungünstig. Regelmässige Nachkontrollen. Ggf. werden weitere endoskopische Beahndlungen erforderlich (PTCD, Photodynamische Therapie, Stent-Einlage).